Das Quartär ist mehr als eine einzige Eiszeit

Das Quartär beginnt vor etwa 2,58 Millionen Jahren und reicht bis heute. Es umfasst Pleistozän und Holozän. Das Holozän, unsere gegenwärtige geologische Epoche, begann vor ungefähr 11.700 Jahren. Die Einteilung folgt der internationalen geologischen Zeitskala.

Besonders das Pleistozän ist von wiederholten Kalt- und Warmzeiten geprägt. Ihre Auswirkungen sind regional verschieden. Selbst während einer Kaltzeit liegt nicht die gesamte Erde unter Eis, und eine offene kalte Landschaft ist kein lebensleerer Raum.

Die Illustration zeigt deshalb einen kleinen geschützten Lebensraum mit Käfer, Moosen und niedrigen Pflanzen vor einer kühlen Landschaft. Sie steht für eine mögliche Situation, nicht für einen bestimmten Fundort oder eine genau datierte Kaltphase. Das heutige Aussehen einer Landschaft allein verrät noch nicht ihre Geschichte.

Lebensgemeinschaften setzen sich neu zusammen

Verändern sich Temperatur und Feuchtigkeit, können sich auch geeignete Lebensräume verschieben. Für eine Insektenart spielt dabei nicht nur die Lufttemperatur eine Rolle. Nahrungspflanzen, Bodenzustand und Wasserverfügbarkeit können ebenso entscheidend sein.

Fossile Käfergemeinschaften erlauben Vergleiche mit heutigen Vorkommen. Arten, die heute räumlich getrennt auftreten, müssen in der Vergangenheit nicht immer in denselben Kombinationen gelebt haben. Eine heutige Lebensgemeinschaft ist deshalb kein unveränderliches Paket, das während jeder Klimaveränderung geschlossen weiterzieht.

Für jede Rekonstruktion bleibt zu prüfen, ob ein Tier am Fundort lebte oder eingetragen wurde und wie sicher seine Bestimmung ist. Ein einzelner Rest kann eine Anwesenheit belegen. Für die Beschreibung einer ganzen Gemeinschaft sind mehrere Funde und der Ablagerungskontext nötig.

Fossile Käfer als Klimazeiger: Untersuchung britischer Funde, 1987.

Kleine Reste als Klimaarchiv

Von Käfern bleiben in Sedimenten manchmal Flügeldecken, Halsschilde oder andere widerstandsfähige Körperteile erhalten. Sind sie hinreichend genau bestimmbar, lassen sich die klimatischen Verhältnisse heutiger Vorkommen zum Vergleich heranziehen. Mehrere Arten können gemeinsam den Bereich möglicher früherer Bedingungen eingrenzen.

Eine klassische Untersuchung von 1987 rekonstruierte auf dieser Grundlage saisonale und mittlere Jahrestemperaturen für die jüngste Geschichte Großbritanniens. Die Methode verbindet datierte Funde mit ökologischen Informationen über die zugeordneten Arten.

Anwendung und Einordnung: Seasonal temperatures in Britain, 1987; methodischer Vergleich bei Schenk und Mitautoren, 2018.

Warum Jahreszeiten einen Unterschied machen

Eine einzige mittlere Temperatur beschreibt die Bedingungen eines Lebensraums nur teilweise. Ein Insekt kann für seine Entwicklung ausreichend warme Sommer brauchen und zugleich kalte Winter überstehen. Die Temperatur während der aktiven Lebensphase kann daher eine andere Geschichte erzählen als ein Jahresmittel.

Schenk und Mitautoren untersuchten 2018 die Jüngere Dryas, eine abrupte Klimaphase gegen Ende des Pleistozäns. Sie kombinierten verschiedene Klimazeiger und Simulationen. Die Untersuchung zeigt, warum ein kalter Nordatlantik und ausgeprägte Kältebedingungen nicht zwangsläufig überall gleichermaßen kalte europäische Sommer bedeuten müssen.

Die Studie ist damit auch eine Einladung, fossile Insekteninformationen präzise zu lesen. Welche Jahreszeit wird rekonstruiert? Aus welcher Region stammt der Befund? Und mit welchen anderen Daten wird er verglichen? Ein scheinbarer Widerspruch kann kleiner werden, wenn diese Fragen geklärt sind.

Originalstudie: Warm summers during the Younger Dryas cold reversal, 2018.

Eine zusätzliche Kraft verändert die Lebensräume

In der jüngsten Geschichte werden menschliche Einflüsse auf Insektenlebensräume immer deutlicher. Landwirtschaft, Siedlungen, veränderte Gewässer und künstliches Licht verändern die Bedingungen, unter denen Tiere Nahrung finden, sich entwickeln und fortpflanzen.

Das Bundesamt für Naturschutz beschreibt unter anderem Lebensraumverlust und Verschlechterungen der Lebensraumqualität, den Einsatz von Pestiziden sowie Lichtverschmutzung als wichtige Handlungsfelder. Diese Einflüsse können zusammenwirken. Ihr Gewicht ist je nach Art, Ort und Landschaft unterschiedlich.

Vergangene natürliche Klimaschwankungen machen die heutige Entwicklung deshalb nicht automatisch harmlos oder gleichartig. Wer Gegenwart und Erdgeschichte vergleicht, muss auch Geschwindigkeit, verfügbare Lebensräume und zusätzliche Belastungen berücksichtigen. Der historische Blick ersetzt keine Untersuchung heutiger Ursachen.

Überblick: BfN · Gefährdungsursachen und Handlungsbedarf.

Was eine Rückgangsstudie tatsächlich misst

Hallmann und Mitautoren veröffentlichten 2017 eine Untersuchung der Biomasse fliegender Insekten an untersuchten Schutzgebietsstandorten in Deutschland. Die Daten zeigten einen starken Rückgang über den untersuchten Zeitraum von 27 Jahren. Gemessen wurde die Gesamtmasse der mit einem bestimmten Fallentyp erfassten Tiere, nicht die weltweite Zahl aller Insektenarten.

Eine Metaanalyse von van Klink und Mitautoren aus dem Jahr 2020 verdeutlicht zusätzlich die Unterschiede zwischen Lebensräumen und Untersuchungsorten. In den ausgewerteten Zeitreihen standen durchschnittlichen Rückgängen terrestrischer Insekten durchschnittliche Zunahmen bei Süßwasserinsekten gegenüber. Die Trends variierten deutlich zwischen Standorten.

Originalstudien: Hallmann und Mitautoren, 2017; van Klink und Mitautoren, 2020. Dies sind eingeordnete Studienbefunde, keine aktuelle Bestandszählung sämtlicher Regionen.

Schutz beginnt beim ganzen Lebenszyklus

Insektenschutz braucht mehr als Nahrung für fliegende Erwachsene. Entwicklungsorte, Nistmöglichkeiten, ungestörte Überwinterungsplätze und passende Bedingungen im Boden oder Wasser gehören ebenso dazu. Welche Struktur hilft, hängt von der jeweiligen Artengruppe ab.

Einheimische Pflanzen, vielfältige unversiegelte Flächen und miteinander verbundene Lebensräume können Teil einer passenden Gestaltung sein. Ebenso wichtig sind ein sparsamer, gezielter Umgang mit künstlichem Licht und die Verringerung schädlicher Belastungen. Eine einzelne Maßnahme ersetzt keine funktionsfähige Landschaft.

Für die eigene Beobachtung genügt zunächst ein genauer Blick: Wo finden Tiere Nahrung, wo entwickeln sich ihre Larven, und welche Bereiche bleiben über den Winter erhalten? So wird aus dem Interesse an einzelnen schönen Tieren eine Frage nach ihren Lebensbedingungen.

Grundlagen und Beispiele: BfN und Mission Insektenschutz.

Die Zeitreise erreicht eine offene Gegenwart

Mit dem Quartär erreicht unsere chronologische Reise die Gegenwart. Sie zeigt keine auf ein Ziel gerichtete Entwicklung: Insektenlinien entstehen, verändern sich und verschwinden; ihre Beziehungen hängen von der jeweiligen Umwelt ab.

Die Zukunft der Insekten lässt sich deshalb nicht als fertige Fortsetzung aus einem Fossil ablesen. Beobachtungen, begründete Projektionen und mögliche Szenarien müssen unterscheidbar bleiben. Was wir heute über Lebensräume entscheiden, wird Teil der nächsten Geschichte.

Zurück zu den Insekten des Neogens oder zur gesamten Zeitreise. Der gemeinsame Körperbau verbindet all diese Kapitel – und hilft, draußen selbst genauer hinzusehen.

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Quellen und wissenschaftlicher Stand

Die folgenden Quellen erläutern die jeweils genannten Befunde. Externe Seiten öffnen sich erst nach deinem Klick; sie werden hier nicht eingebettet. Forschungsmodelle und Rekonstruktionen sind im Text als solche eingeordnet.

Redaktioneller Erststand für die lokale Durchsicht. Illustrationen dienen der Anschauung. Bei Studien mit eingeschränktem Volltextzugang beruht die Darstellung auf den angegebenen zugänglichen Teilen.