Bienen, Wespen und Ameisen gehören zusammen

Hymenoptera ist der wissenschaftliche Name der Insektenordnung Hautflügler. Dazu gehören Bienen, Ameisen, zahlreiche Wespenlinien und unter anderem Blatt- und Holzwespen. Die häufigen Begegnungen mit Honigbienen oder schwarzgelben Wespen bilden diese Vielfalt nur teilweise ab.

Ein gemeinsamer Ordnungsname bedeutet keine gemeinsame Lebensweise. Manche Tiere besuchen Blüten, andere jagen, nutzen Pflanzengewebe oder entwickeln sich an einem Wirt. Auch ein Nest muss nicht von einem ganzen Staat bewohnt sein.

Unsere Illustration versammelt eine bienenähnliche, eine wespenähnliche und eine ameisenähnliche Gestalt. Die Studien stehen für unterschiedliche Formen, nicht für eine gemeinsame Kolonie. Sie sind weder maßstabsgetreu noch ein vollständiger Überblick oder eine genaue Artbestimmung.

Einordnung und Lebensweisen: Australian Museum.

Häutige Flügel, mit und ohne Taille

Geflügelte Hautflügler besitzen gewöhnlich zwei häutige Flügelpaare. Kleine Häkchen koppeln Vorder- und Hinterflügel während des Flugs. Beim ruhenden Tier können sich die Flügel überlagern und deshalb wie ein einziges Paar wirken. Flügellose Formen wie Ameisenarbeiterinnen gehören ebenfalls zur Ordnung.

Die auffällige Wespentaille kennzeichnet die Taillenwespen, die Apocrita, zu denen auch Bienen und Ameisen gehören. Bei Blattwespen und anderen früh abzweigenden Linien fehlt eine solche Einschnürung. Eine Taille allein ist deshalb weder der vollständige Bauplan noch ein Merkmal sämtlicher Hautflügler.

Für den Einstieg lohnt sich die Kombination mehrerer Beobachtungen: Körperform, Fühler, Flügel und Verhalten. Wo etwas verdeckt ist, bleibt die Beobachtung zunächst offen.

Flügelkopplung und Körperformen: Australian Museum; evolutionäre Einordnung der Taille: Blaimer und Mitautoren, 2023.

Auch eine Ameise war einmal eine Larve

Hautflügler durchlaufen eine vollständige Metamorphose mit Ei, Larve, Puppe und Imago. Die erwachsene Gestalt ist also nur ein Abschnitt des Lebens. Wie sich die Larve ernährt und wo sie aufwächst, kann sich stark von den späteren Gewohnheiten unterscheiden.

EIN LEBENSZYKLUS MIT PUPPENSTADIUM

  • EiBeginn der Entwicklung an einem je nach Art geeigneten Ort.
  • LarveWachstum und Nahrungsaufnahme; Körperform und Versorgung unterscheiden sich.
  • PuppeUmbau zur erwachsenen Gestalt.
  • ImagoErwachsenes Tier mit seinen jeweiligen Aufgaben und Lebensweisen.

Vereinfachte Stadienfolge · keine Zeitachse und keine gemeinsame Nestform

Eine Larve im Nest, eine Larve in Pflanzengewebe und eine an einem Wirt stellen sehr verschiedene Lebenssituationen dar. Die Metamorphose-Seite erläutert den gemeinsamen Entwicklungstyp genauer.

Entwicklungstyp: Australian Museum; Stadien: American Museum of Natural History.

Bienenleben ist mehr als ein Bienenstock

Die Honigbiene ist ein bekanntes Beispiel sozialen Zusammenlebens. Sie steht aber nicht für alle Bienen. Viele Arten leben solitär: Ein Weibchen legt eigene Brutzellen an und versorgt seinen Nachwuchs, ohne einen Staat mit Arbeiterinnen aufzubauen.

Auch die Nistplätze unterscheiden sich. Das Natural History Museum London stellt hohlraumnistende solitäre Bienen vor und erklärt, für welche Arten eine entsprechende Nisthilfe geeignet sein kann. Solche Hohlräume sind nur eine Möglichkeit; zahlreiche Bienen nisten im Boden.

Eine Blüte und ein geeigneter Nistplatz erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse. Wer Bienen beobachtet, kann deshalb weiterfragen: Woher kommt das Tier? Trägt es Material oder Nahrung? Welche Strukturen in der Umgebung könnten für den Nachwuchs wichtig sein? Eine einzelne Blütenaufnahme beantwortet diese Fragen noch nicht.

Solitäre Lebensweisen und Grenzen von Nisthilfen: NHM London.

Jägerinnen und Parasitoide sind verschiedene Geschichten

Der Alltagsname „Wespe“ ruft oft das Bild einer schwarzgelben Besucherin am Esstisch hervor. Tatsächlich gehören dazu sehr unterschiedliche Linien. Das Natural History Museum beschreibt neben sozialen auch zahlreiche einzeln lebende und parasitoide Formen.

Eine jagende Wespe kann Beute als Nahrung für ihre Larven erbeuten. Bei einem Parasitoiden entwickelt sich der Nachwuchs dagegen an oder in einem Wirt, der im Verlauf dieser Entwicklung getötet wird. Ein Beispiel ist die vom Museum vorgestellte Wespe Aphidius ervi, deren Larven sich in Blattläusen entwickeln.

Solche Beziehungen zeigen, warum Hautflügler nicht nur als Blütenbesucher betrachtet werden sollten. Zu ihrer Ökologie gehören auch Nahrungsketten und spezialisierte Wirtsbeziehungen. Welche Rolle ein Tier spielt, hängt von der Art und dem betrachteten Stadium ab.

Jagd und Lebensweisen: NHM London · What do wasps do?; Parasitoid-Beispiel: NHM London · Positive parasites.

Zusammenleben hat unterschiedliche Formen

Bei vielen Ameisenkolonien teilen sich Tiere die Arbeit: Arbeiterinnen suchen Nahrung, versorgen die Brut und erweitern das Nest; eine oder mehrere Königinnen übernehmen einen großen Teil der Fortpflanzung. Wie eine Kolonie gegründet wird und organisiert ist, unterscheidet sich zwischen Arten.

Eine Kolonie ist dennoch kein kleines menschliches Königreich. Begriffe wie „Königin“ benennen eine biologische Rolle und erklären für sich noch nicht, wie das Verhalten vieler Einzeltiere zusammenwirkt. Dafür müssen Forschende die Tiere und ihre Wechselwirkungen untersuchen.

Auch bei Bienen und Wespen gibt es soziale Lebensweisen. Aus ihnen lässt sich jedoch keine allgemeine Regel für die ganze Ordnung ableiten. Ein einzeln nistendes Tier ist ebenso Teil der Hautflüglervielfalt wie ein Mitglied einer großen Kolonie.

Ameisenkolonien und unterschiedliche Gründungsweisen: Australian Museum; solitäre Bienen: NHM London.

Ein Legeapparat kann neue Aufgaben übernehmen

Bei Hautflüglern kann der weibliche Legeapparat sehr unterschiedliche Formen annehmen. Er kann etwa Pflanzengewebe öffnen oder Eier an geeigneten Stellen ablegen. In der Linie der Stechimmen, der Aculeata, entstand daraus ein Stachelapparat.

Ein solcher Wehrstachel gehört damit nicht zur Ausstattung aller Hautflügler. Er ist aus einem weiblichen Organ hervorgegangen; männliche Tiere besitzen diesen daraus entstandenen Stachel nicht. Umgekehrt bedeutet „weiblich“ nicht automatisch, dass ein Tier einen funktionsfähigen Wehrstachel trägt.

Ein langer sichtbarer Fortsatz am Hinterleib ist daher kein zuverlässiger Beleg für einen Wehrstachel. Aus der Form allein lässt sich seine Funktion nicht sicher bestimmen. Körperbau und Lebensweise müssen gemeinsam betrachtet werden.

Legeapparat und Abwandlungen: Australian Museum; Stachel als evolutionäres Merkmal: Blaimer und Mitautoren, 2023.

Fossilien und Stammbäume öffnen verschiedene Fenster

Die Evolutionsgeschichte der Hautflügler umfasst Veränderungen der Körperform und der Nahrung ebenso wie die Entstehung unterschiedlicher Formen des Zusammenlebens. Diese Übergänge bilden keine Stufenleiter, an deren Ende ein einziges „höher entwickeltes“ Tier steht.

Blaimer und Mitautoren untersuchten 2023 mit einem zeitlich eingeordneten Stammbaum, wie Wespentaille, Stachel, parasitoide Lebensweise und die Rückkehr zur Pflanzennahrung mit der Vielfalt verschiedener Linien zusammenhängen. Die Bedeutung von Taille, Stachel und Parasitoidismus als unmittelbare Beschleuniger der Diversifizierung blieb dabei unklar. Ein auffälliges Merkmal ist also noch keine vollständige Erklärung des evolutionären Erfolgs.

Fossilien ergänzen diese Analysen. Das American Museum of Natural History berichtete 2016 über Ameisen in kreidezeitlichem Bernstein, die Hinweise auf soziale Organisation liefern, darunter unterschiedliche Kasten und mehrere Arbeiterinnen in gemeinsamen Einschlüssen. Solche Befunde verlangen eine Einordnung der Erhaltung und des Fundzusammenhangs.

Ein Fossil zeigt einen vergangenen Ausschnitt. Ein rekonstruiertes Ursprungsalter aus einem Stammbaum beruht zusätzlich auf Modellen und Kalibrierungen. Die Bernstein-Seite und die Zeitreise in die Kreide führen diese Fragen weiter.

Evolutionäre Merkmale: Blaimer und Mitautoren, 2023; soziale Fossilbelege: AMNH, 2016.

Eine Begegnung genauer betrachten

Beobachte aus Abstand und lass Nesteingänge und Tiere unberührt. Eine Aufnahme von der Seite kann andere Merkmale zeigen als ein Blick von oben. Flügel, Fühler, Körperform und das sichtbare Verhalten sind gemeinsam hilfreicher als die Farbe allein.

Für die Einordnung einer Beobachtung zählt auch, was du nicht gesehen hast. Ein Tier an einer Blüte verrät noch nicht, wo seine Larven leben. Eine Ameise auf einem Ast zeigt nicht von selbst den Aufbau ihrer ganzen Kolonie. Solche offenen Fragen sind ein guter Ausgangspunkt für den nächsten Blick.

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