Verwandtschaft erkennen, Vielfalt entdecken
Die Insekten bilden eine Klasse innerhalb der Gliederfüßer. Innerhalb dieser Klasse unterscheiden wir unter anderem Ordnungen wie Käfer, Schmetterlinge oder Zweiflügler. Die hier vorgestellten Ordnungen umfassen jeweils viele Arten; sie bezeichnen keine einzelne Lebensweise. Die Grundlagenseite erklärt den gemeinsamen Körperbau und die Abgrenzung zu Spinnentieren.
Diese Übersicht öffnet einige ausgewählte Museumssäle. Sie ist kein vollständiger Stammbaum und kein Bestimmungsschlüssel. Die Illustration zeigt eine künstlerische Auswahl erwachsener Tiere in unterschiedlichen Größenverhältnissen. Zum Erkennen lohnt sich immer die Kombination mehrerer Merkmale.
Orientierung: AMNH und Natural History Museum London.
Käfer: Vorderflügel werden zur Schutzhülle
Coleoptera
Bei vielen erwachsenen Käfern treffen zwei feste Deckflügel in einer geraden Naht auf dem Rücken zusammen. Diese Elytren sind umgebildete Vorderflügel. Die zum Fliegen genutzten Hinterflügel liegen bei flugfähigen Formen meist darunter gefaltet. Verkürzte Deckflügel oder fehlendes Flugvermögen zeigen, wie wandelbar dieser Bauplan ist.
Die Geschichte eines Käfers beginnt nicht mit dem gepanzerten erwachsenen Tier. Käfer durchlaufen eine vollständige Metamorphose mit Larve und Puppe. Ihr neuer Museumssaal verbindet diesen Gestaltwandel mit Lebensräumen und den frühen Fossilien aus dem Perm.
Den Käfer-Saal entdecken ↗Deckflügel und ihre Abwandlungen: Goczał & Beutel, 2023.
Libellen: ein Leben zwischen Wasser und Luft
Odonata
Bei erwachsenen Libellen fallen große Augen, ein länglicher Hinterleib und zwei häutige Flügelpaare auf. Ihre wasserlebenden Jugendstadien sehen anders aus und bewegen sich in einem anderen Medium. Die Entwicklung erfolgt ohne Puppenstadium; der Übergang zum fliegenden Tier ist dennoch ein eindrucksvoller Gestaltwechsel.
Mit einer Libelle lässt sich gut über Flug und Erdgeschichte nachdenken. Dabei darf die äußere Ähnlichkeit zu fossilen Flugjägern nicht zur Gleichsetzung führen: Die berühmte Meganeura war keine heutige Libelle im engeren Sinn.
Den Libellen-Saal entdecken ↗Wie diese Flugfähigkeit entstand, erklärt die Seite zur Entstehung des Insektenflugs.
Weiter zur Entwicklung ohne Puppenstadium und zu den Flugjägern des Karbons.
Schmetterlinge: Schuppen und Gestaltwandel
Lepidoptera
Tagfalter und die oft als Nachtfalter bezeichneten Formen gehören zur selben Ordnung. Ihre Flügel tragen zahlreiche kleine Schuppen. Farbe und Muster können auffallen, doch ein hübsches Flügelbild allein reicht nicht immer zur sicheren Artbestimmung.
Raupe und Falter sind verschiedene Stadien desselben Lebenszyklus. Dazwischen liegt die Puppe. Ein Kokon ist dagegen eine zusätzliche Hülle, die nicht jede Art bildet. Wer einen Falter beobachtet, sieht deshalb nur einen Ausschnitt seines Lebens. Welche Pflanzen und Rückzugsorte seine Jugendstadien brauchen, ist eine eigene Frage.
Den Schmetterlings-Saal entdecken ↗Weiter zur vollständigen Metamorphose.
Hautflügler: mehr als Bienen und Ameisen
Hymenoptera
Bienen, Ameisen und zahlreiche Wespenlinien gehören zu den Hautflüglern. Geflügelte Formen besitzen zwei häutige Flügelpaare. Eine auffällige schmale Taille ist bei vielen vertrauten Formen zu sehen, aber kein Merkmal, das für sämtliche Hautflügler gelten würde.
Auch ein gemeinsamer Name bedeutet keine einheitliche Sozialstruktur. Nicht jede Biene lebt in einem Staat. Für den Einstieg ist es hilfreicher, Fragen an das beobachtete Tier zu stellen: Sucht es Nahrung an einer Blüte? Wo entwickelt sich der Nachwuchs? Welche Beziehung besteht zu Pflanzen oder anderen Tieren? Bestäubung ist eine wichtige Verbindung, aber nicht die einzige Geschichte dieser Gruppe.
Den Hautflügler-Saal entdecken ↗Weiter zu Insekten und Blütenpflanzen in der Kreide.
Gruppenzuordnung und Flügelmerkmale: Natural History Museum of Los Angeles County; einzeln lebende Bienen: NHM London.
Zweiflügler: ein Flügelpaar und viele Lebensweisen
Diptera
Fliegen und Mücken gehören zu den Zweiflüglern. Bei geflügelten erwachsenen Tieren dient das Vorderflügelpaar dem Flug. Das hintere Paar ist zu kleinen Schwingkölbchen, den Halteren, umgebildet. Diese können beim Blick von oben leicht verborgen bleiben.
Die Bezeichnung beschreibt einen Bauplan und keine Bewertung. Ein Tier, das uns lästig erscheint, hat ebenso eine Entwicklungsgeschichte und Beziehungen zu seiner Umwelt. Die Jugendstadien sehen häufig ganz anders aus als die Erwachsenen. Eine Begegnung an einer Blüte, am Wasser oder auf einem Blatt erzählt jeweils eine andere Geschichte.
Den Zweiflügler-Saal entdecken ↗Weiter zur fossilen Insektenwelt des Paläogens.
Heuschrecken: Sprungbeine und eine Welt voller Klänge
Orthoptera
Grashüpfer, Laubheuschrecken und Grillen gehören zur selben Insektenordnung. Kräftige Hinterbeine sind bei vielen Formen zum Springen ausgebildet. Kurze oder lange Fühler helfen bei der ersten Orientierung; die vertraute grüne Farbe allein ist kein zuverlässiges Erkennungsmerkmal.
Ihre Entwicklung kommt ohne Puppenstadium aus. Viele Arten kommunizieren mit Lauten, aber nicht alle auf dieselbe Weise. Der neue Museumssaal verbindet Körperbau, Jugendstadien und Lebensräume mit der Forschung an fossilen Schallorganen.
Den Heuschrecken-Saal entdecken ↗Weiter zur Entwicklung ohne Puppe.
Wanzen: ein Saugrüssel, unterschiedliche Lebenswelten
Heteroptera · innerhalb der Hemiptera
Wanzen gehören zu den Schnabelkerfen. Zikaden und Blattläuse zählen ebenfalls zu dieser Ordnung, aber zu anderen Teilgruppen. Ein stechend-saugendes Mundwerkzeug verbindet die Schnabelkerfe; Nahrung und Lebensraum unterscheiden sich erheblich.
Zum Wanzenleben gehören Pflanzen, Beutetiere, Gewässer und versteckte Jugendstadien. Viele geflügelte Formen besitzen Vorderflügel mit einem festeren Grundabschnitt und einer häutigen Spitze. Die Entwicklung erfolgt ohne Puppe.
Den Wanzen-Saal entdecken ↗Netzflügler: feine Flügel, verborgene Jäger
Neuroptera
Florfliegen, Ameisenjungfern und weitere Formen gehören zu den Netzflüglern. Bei vielen Erwachsenen fallen häutige Flügel mit einem dichten Adernetz auf. Ihre Larven sehen ganz anders aus und leben häufig räuberisch.
Der neue Saal verbindet gestielte Florfliegeneier, jagende Larven und die Fangtrichter mancher Ameisenlöwen mit einer langen fossilen Geschichte. Zwischen Larve und erwachsenem Tier liegt eine Puppe.
Den Netzflügler-Saal entdecken ↗Weiter zu den Netzflüglern im Jura.
Ohrwürmer: Zangen und Fürsorge
Dermaptera
Die Zangen am Hinterleib sind auffällige Körperanhänge. Hinter Rinde, unter Laub und in anderen Verstecken entfaltet sich eine Lebensgeschichte, zu der bei untersuchten Arten auch ausgeprägte mütterliche Brutpflege gehört.
Den Saal entdecken ↗Köcherfliegen: Seide im Wasser
Trichoptera
Ihre Jugend lebt meist im Wasser, während die Erwachsenen geflügelt sind. Viele Larven tragen selbst gebaute Köcher; andere nutzen Netze oder leben ohne tragbare Hülle. Die Ordnung ist eng mit den Schmetterlingen verwandt.
Den Saal entdecken ↗Stab- und Gespenstschrecken: Gestalt als Tarnung
Phasmatodea
Zweigartige und blattähnliche Körper machen die Vielfalt dieser Pflanzenfresser sichtbar. Flugvermögen, Fortpflanzung und Tarnstrategien unterscheiden sich zwischen den Arten. Sie gehören zu einer anderen Ordnung als die Heuschrecken.
Den Saal entdecken ↗Schaben und Termiten: verwandte Lebensweisen
Blattodea
Termiten sind innerhalb der Schabenverwandtschaft entstanden. Waldlebende Formen, Nahrungsgemeinschaften und soziale Kolonien eröffnen einen anderen Blick als das vertraute Bild weniger Haushaltsschädlinge. Termiten sind keine Ameisen.
Den Saal entdecken ↗Die Vielfalt reicht über diese Säle hinaus
Eintagsfliegen, Steinfliegen und weitere Ordnungen gehören ebenfalls zu den Insekten. Auch hier führt genaues Hinsehen weiter: Ein Sprungbein, ein Mundwerkzeug oder ein Flügelmerkmal wird erst im Zusammenhang aussagekräftig.
Diese ausgewählten Zugänge decken deshalb nicht die gesamte Insektenwelt ab. Die Zeitreise ergänzt bereits andere Perspektiven: Im Jura begegnen uns Netzflügler, die Seite zur Atmung zeigt eine Heuschrecke als Anschauung. Solche Verbindungen machen sichtbar, wie sich Gruppen, Funktionen und Lebensräume überschneiden.
Eine Beobachtung beginnt mit einer guten Frage
Notiere bei einer Begegnung den Lebensraum, die ungefähre Größe und das sichtbare Entwicklungsstadium. Fotos aus mehreren Blickwinkeln können mehr zeigen als eine Aufnahme allein. Auch was verdeckt bleibt, gehört zur Beobachtung: Unter geschlossenen Deckflügeln lässt sich kein Hinterflügelpaar zählen.
Die künstlerischen Bilder auf dieser Website sind keine Bestimmungsvorlagen für eine sichere Artzuordnung. Für einen ersten Rundgang kannst du beim Käfer-Saal beginnen, die Zeitreise fortsetzen oder Begriffe im Glossar nachlesen.
Im Filmraum weiterentdecken
Zum Thema gibt es einen passenden Film. Im Filmraum findest du Sprache, Laufzeit und Hinweise zum Forschungsstand, bevor du den externen Anbieter öffnest.
NACHLESEN & EINORDNEN
Quellen und wissenschaftlicher Stand
Die folgenden Quellen erläutern die jeweils genannten Befunde. Externe Seiten öffnen sich erst nach deinem Klick; sie werden hier nicht eingebettet. Forschungsmodelle und Rekonstruktionen sind im Text als solche eingeordnet.
- American Museum of Natural History: What is Entomology? ↗
Grundbauplan und ausgewählte Gruppen; hier keine feste Gesamtzahl der Ordnungen übernommen.
- Natural History Museum London: Common insect and other invertebrate groups ↗
Einführung in die Unterscheidung von Insekten und anderen Wirbellosen.
- Natural History Museum of Los Angeles County: Insect Orders ↗
Merkmalsübersicht zu Flügeln und Körperformen. Vereinfachte Erkennungsmerkmale ersetzen keinen vollständigen Bestimmungsschlüssel.
- American Museum of Natural History: Metamorphosis in Arthropods ↗
Einordnung von Jugendstadien und Puppenstadium; Vertiefung auf unserer Metamorphose-Seite.
- Natural History Museum London: How to make a bee hotel ↗
Beispiele für solitär lebende Bienen; keine Verallgemeinerung eines Nesttyps auf alle Bienen.
- Goczał & Beutel (2023): Beetle elytra: evolution, modifications and biological functions ↗
Fachübersicht zu Deckflügeln und ihren Abwandlungen.
Redaktioneller Erststand für die lokale Durchsicht. Illustrationen dienen der Anschauung. Bei Studien mit eingeschränktem Volltextzugang beruht die Darstellung auf den angegebenen zugänglichen Teilen.
